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Zuschneiden wie ein Profi 

10 Tipps, damit beim Zusammennähen alles passt.

Hast du oft einen Bammel, deinen teuren Stoff zu zerschneiden? Du weisst nicht wie du dein Schnittmuster auf den Stoff auflegen musst? Jeder rät dir zu einer anderen Nahtzugabe und kannst dich nicht entscheiden was nun richtig ist?

Für dich habe ich den Prozess aufgeschlüsselt und 10 Tipps daraus gemacht. Denn das Zuschneiden fängt bereits mit dem Stoffeinkauf an.

Tipp 1:

Stoffeinkauf

Stoffeinkauf: Schau immer zuerst beim Schnittmuster den Stoffbedarf nach, und ganz wichtig, auch die Stoffempfehlung. Am einfachsten ist es, du nimmst das Schnittmuster zum Einkauf mit. Du wirst kein Nähglück finden, wenn du ein Schnittmuster für Webware wählst und dein Stoff ist zum Beispiel ein French Terry, ein Romanit oder ein anderer aus dem Bereich der dehnbaren Stoffe. Umgekehrt ist es übrigens das gleiche. Also wähle immer den passenden Stoff zur Empfehlung auf dem Schnittmuster. Beim Stoffkauf nimm lieber etwas mehr Stoff als zu wenig oder nur ganz knapp. So hast du eine Reserve, für den Fall, dass du etwas falsch zugeschnitten hast (das passiert nicht nur den Anfängern 😊) und du hast zusätzliche eine Reserve, sofern der Stoff bei der ersten Wäsche einläuft. Dazu lies meinen Tipp 2:

 

Tipp 2:

wäschewaschen

Vorwaschen

oder nicht. Da scheiden sich die Geister. Viele waschen vor, schmeissen den Stoff anschließend in den Trockner mit der Begründung, ich behandle den Stoff so, wie später das genähte Kleidungsstück. Generell gesagt, ist dieser Einwand gar nicht schlecht. Aber die Gewebe und die Materialien muss man doch etwas differenzierter betrachten. Viele Stoffe aus Naturfasern und auch aus Mischgeweben schrumpfen beim ersten Waschen. Oft ist der Einsprung (einlaufen, schrumpfen) in der Breite und in der Länge unterschiedlich. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Kette beim Webstuhl (Webmaschinen) unter großer Spannung steht. Der Schuss hingegen wird in die Kette gelegt und angeschlagen. Wird der Stoff nach dem Weben nicht entsprechend oder nur wenig ausgerüstet (bleichen, veredeln, bedrucken, mercerisieren etc.), besteht diese Spannung bis zur ersten großen Wäsche erhalten. Danach ist die Spannung weg und das Gewebe um ein paar Zentimeter kürzer. Bei qualitativ guten Stoffen ist dieser Schrumpfungsprozess weniger groß als bei günstiger Ware, ist aber auch abhängig von der Faser. Der Einsprung wird in Prozent angegeben. Dieser kann oft bis zu 10%! betragen. Das heißt, bei einer Stofflänge von 2 m haben wir nach der ersten Wäsche 20 cm weniger zum Zuschneiden zur Verfügung. Benutze keinen Weichspühler.

Abdampfen

Stoffe, welche ich vernäht nur mit dem Feinwaschprogramm waschen würde, dampfe ich aus, anstatt zu waschen. Das ist zwar ein etwas zeitintensives Vorgehen, aber erfüllt den Zweck der Vorbehandlung. Dazu führst du das Dampfbügeleisen* Abschnitt für Abschnitt über den Stoff und benutzt dazu die höchste Stufe des Dampfes. Nicht über den Stoff gleiten, dem Dampf Zeit geben, dass er in die Faser eindringen kann. Anschließend das Gewebe gut auskühlen lassen.

Tipp 3:

falten

Die Stoffe vor dem Zuschneiden immer bügeln. Ob sie nun vorgewaschen sind oder nicht. Nichts ist schlimmer als Falten und Rümpfe unter dem Schnittmuster die die Schnitteile verziehen und verformen. Unter Umständen kann dies die ganze Form des Kleidungsstückes zunichtemachen.

Tipp 4:

SM ausmessen

Schnittmuster ausmessen.

Die wichtigste Einsicht: das Schnittmuster hat ganz selten deine Kaufgröße. Ausser vielleicht, dein Körper entspricht mit den Maßen der Normgröße 38. Unser Körper verteilt die Polster ganz unterschiedlich. Bei einigen Frauen mehr seitlich, die haben dann ein «breites Becken», oder eher an Po oder und am Bauch oder beim Busen. Mit der heutigen Ernährung haben sich im Laufe der Zeit die Körper verändert. Im letzten Jahrhundert wuchsen wir durch die sehr eiweißhaltige Ernährung immer überdurchschnittlich. Dann kam der Wohlstand, der Überfluss, der Zucker, das Weissmehl und wir bewegten uns bedeutend weniger. Und unsere Figur wurde in Apfelform und Birnenform unterteilt, je nach dem, wo sich die Fettpolster niederliessen. Leider werden Schnittmuster nur ganz selten nach diesen Körperformen erstellt, geschweige denn nach großem Busen oder nach Beinen und Hüften mit Lipödemen.

Deinen Körper ausmessen

Als erstes misst du deinen Körper aus. Am besten geht das, wenn dir jemand dabei hilft. Vergleiche deine Maße wie die bei der Maßtabelle des Schnittmusters. Danach messe die Maße auf dem Schnitt nach. Die Differenz zwischen Tabelle und Schnittmuster ist der sogenannte Bewegungszuschlag. Dieser Zuschlag ist so individuell wie dein Körper. Also jeder Schnitt, jeder Designer hat die ihm eigenen Zuschläge. Dass zum Beispiel ein Mantel einen größeren Bewegungszuschlag aufweißt, als eine enge Bluse oder einen Bleistiftrock sollte dir klar sein. Die Maße auf dem Schnittmuster trägst du auf dem Maßband ab und legst dies um die betreffende Stelle bei deinem Körper. Du siehst jetzt ungefähr, wie weit oder wie eng das Kleidungsstück sitzen wird. Korrigiere wenn nötig dein Schnittmuster.

Korrekturen

Eine Korrektur bedarf auch oft den Brustpunkt. Je nach unserem Alter und welchen BH wir üblicherweise tragen, stimmt der mit dem jugendlichem Normbrustpunkt nicht mehr überein. Bei enganliegender Kleidung und großer Körbchengröße empfehle ich dir da auch die entsprechende Anpassung vorzunehmen. Diesbezüglich findest du im Netz viele Hilfen, von Fachleuten und leider auch einige, nicht sehr empfehlenswerte «handgestrickte» Anleitungen. Fast überall wird die Balance zwischen Rückenlänge und Vorderer Länge vernachlässigt, ebenso wird die Armlochtiefe nicht berücksichtigt.  Das Ergebnis ist selten zufriedenstellend. Empfehlen kann ich diese Anleitung. Sie ist zwar auf Englisch, aber es sind genügend Bilder da, um alles zu verstehen.

Ein so adaptiertes Schnittmuster enspricht nie einem Maßschnitt. Es ist immer nur eine Annäherung.

Tipp 5:

SM auflegen

Auflegen des Schnittmusters: Die Schnittteile müssen normalerweise immer als Paar oder im Stoffbruch zugeschnitten werden. Also lege deinen vorbereiteten Stoff rechte auf rechte Seite zur Hälfte gelegt auf deinen Tisch. Dabei treffen die Webkanten exakt aufeinander. Das heißt, die rechte Stoffseite liegt normalerweise innen. Musst du jedoch auf das Muster achten, lege die rechte Stoffseite nach aussen. Verwende die Webkanten nicht.

Bei Jersey, welcher als Schlauch gestrickt wird, sind die Kanten aufgeschnitten. Diese Kanten lege ebenfalls aufeinander. Lege die einzelnen Schnittteile auf den Stoff, die Ausrichtung ist für alle Schnitteile die gleiche. Passt alles, ist genügend Stoff vorhanden, kannst du jetzt mit dem definitiven Aufstecken beginnen. Benutze dazu feine Stecknadeln*. Achte darauf, dass der eingezeichnete Fadenlauf auf dem Schnittmuster mit dem Fadenlauf deines Stoffes übereinstimmt. Zur Überprüfung messe den Abstand zur Webkante. Webkante und Fadenlauf Schnittmuster sind parallel. Benutze keine Nähgewichte, ausser du arbeitest mit leichten Geweben wie Seide oder mit Gewebe, dem Einstiche von Stecknadeln nicht guttun.

Webkanten

Muster, Rapporte

Ist dein Stoff gemustert, kariert oder gestreift? Analysiere zuerst das Muster. Wie ist die Ausrichtung? Zeigt das Muster nur in eine Richtung? Dann schneide die Teile alle in einer Richtung aus. Bei figürlichen Mustern wie auf dem Bild

Zuschneiden-laufrichtung

Symetrische Karos

Bei Karos schau genau hin, ist das Karo oben und unten, rechts und links gleich und regelmässig, kannst du die Schnittteile platzsparend auflegen. Bei den  Seitennähten müssen die waagrechten Karolinien aufeinander treffen.

Zuschneiden-karogleich

Asymetrische Karos

Ist das Karo unregelmäßig, asymetrisch, lege besondere Sorgfalt in das Auflegen. Die Asymetrie muss bei allen Schnittteilen in die gleiche Richtung weisen. Die waagrechten Linien treffen bei den Seitennähten aufeinander.

Zuschneiden-karomit

Samt, Cord, Plüsch & Co

Stoffe mit einem Flor, also Samt, Cord, Plüschstoffe immer gegen den Strich zuschneiden. Du erkennst es, wenn du entlang der Webkante mit dem Finger fühlst, auf welche Seite sich die Härchen legen. Legen sie sich widerstandlos, ist das die Strichrichtung. Beim Zuschneiden muss diese Richtung immer in Richtung Schulter zeigen.

Gegendenstrich

Kennzeichnung Rückseite

Kannst du die Vorderseiten und die Rückseiten kaum voneinander unterscheiden, markiere die Rückseite der Schnittteile immer mit einem X. Benutze dazu eine Schneiderkreide.

RSbezeichnen

Tipp 6:

nahtzugabe

Nahtzugabe und Aufzeichnen des Schnittmusters. Meine Empfehlung für die Nahtzugabe: 1 cm in der Regel. Weniger ist nicht sinnvoll, das Nähen wir dadurch eher erschwert als erleichtert. Lass dich nicht blenden, wenn im Nähbeschrieb steht «Nahtzugabe zurückschneiden» und du denkst, da kann ich ja schon zu Beginn weniger zuschneiden. Es gibt Ausnahmen, wo du mehr Nahtzugaben zuschneiden musst, wie zum Beispiel beim einem Nahtschlitz (Lektion 3, Modul 1). Säume werden in der Regel mit 3 – 5 cm Zugabe zugeschnitten. Wenn du überall die exakt gleiche Nahtzugabe mit Hilfe eines Handmaßes* schneidest, musst du die  Nahtlinie nicht mehr einzeichnen. Du kannst dir diese Arbeit sparen.

Schneide zuerst alles Teile aus, die im Bruch zugeschnitten werden und alle Teile, die im Paar zugeschnitten werden. Danach die doppelte Stofflage aufklappen, und alle Teile zuschneiden, die nur einlagig sind.

Übertragen musst du aber auf alle Fälle sämtliche Pics und Markierungen. Ich zeige dir drei mögliche Varianten, wie es die Profis heute machen.

Tipp 7:

pic

Übertragen der Schnittmarkierungen:

Es ist wichtig, dass du sämtliche Markierungen wie Nahtzeichen, Abnäher, Falten etc. auf den Schnitteilen überträgst. Diese benötigst du für das anschließende Nähen der einzelnen Teile.

 

Variante 1 mit Schneiderkreide*, oder mit einem Kreidestift*. Hier musst du auf beiden Stoffteilen die Markierungen anbringen.

Kreidemarkierung

Variante 2: Markierungen werden in der Nahtzugabe eingeschnitten, innerhalb der Schnittteile mit Kreidestiften als Punkt ausgeführt. Das Einschneiden hat den Vorteil, dass beide Stoffteile gleichzeitig markiert werden können.

Dies ist meine favorisierte Art Pics und Markierungen zu übertragen.

Markierungschneiden

Variante 3:

Mit doppeltem Reihgarn* die Punkte mit einem Stich abnähen. Die Fäden mit einer Schlaufe stehen lassen, anschliessend die Stoffteile auseianderziehen und die Fäden in der Mitte durchschneiden. Wie du siehtst, habe ich beim Abnäher nur die Anfangs- und Endpunkte markiert. das reicht vollkommen aus und erspart dir Zeit.

Nimm für diesen Zweck keinen Nähfaden. Er ist zu glatt und rutsch leicht aus dem Gewebe raus. Die Griffigkeit des Reihgarns garantiert, dass das Garn da bleibt, wo es sein soll.

Ich habe diese Art des Markieren damals im Handarbeitsunterricht gelernt. Da wurde jedoch auch die ganze Nahtlinie so abgenäht. In Schweizer Mundart heisst dieser Vorgang “Fädle”.

 

 

Faedle
Fadenmarkierung

Tipp 8:

Schnittmuster

Lass das Schnittmuster auf den Schnittteilen, bis du sie zum Nähen verwendest. Musst du auf einigen Schnitteilen Einlage aufbügeln, kontrolliere anschließend die Markierungen, ob sie noch sichtbar sind. Wenn nicht, arbeite sie nach. Das Schnittmuster kommt wieder auf den Stoff.

Tipp 9:

Schere

Leiste dir eine gute Zuschneide-Schere. Sie soll optimal in der Hand liegen, nicht all zu schwer sein, damit du ermüdungsfrei zuschneiden kannst. Gute Schneiderscheren haben auf einem Blatt eine Microverzahnung. Dies verhindert beim Schneiden das Wegrutschen der Stoffe. Vor allem feine und sehr feine Stoffe lassen sich mit solchen Scheren wunderbar zuschneiden.

Hier findest du meine Empfehlung für eine sehr gute Schneiderschere* mit Microverzahnung, die dir ein Leben lang Freude bereitet.

Als Alternative kannst du auch einen Rollschneider zum Zuschneiden verwenden. Dazu benötigst du eine große Schneideunterlagen*, damit dein Schnittteil als ganzes darauf Platz hat. Wähle einen Rollschneider* mit kleiner Klinge, Durchmesser 28mm. Er ist handlicher als der mit der grossen Klinge.

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Tipp 10:

Lennie-zuschneiden

Lege die einzelnen Schnitteile so aufeinander, wie du sie zusammen nähen musst. So bekommst du garantiert keine Durcheinander.